Ort der Zusammenkunft

 

Von Charlotte Bucka

 

Das Theater ist ein Ort der gesellschaftlichen Zusammenkunft. Das gemeinsame Interesse an der Kunst,
dem Schönen, dem Widerständischen, dem Kritischen, dem ganz und gar Menschlichen bringt eine
Theatergemeinde zusammen.


Es wäre gut, wenn die Dominanz der Zentralperspektive aufgelöst würde und (noch mehr) Bühnenbildner
und Regisseure die Trennung von Bühne und Zuschauerraum überwinden würden. Das antike Theater zum Vorbild, sollte das Theatererlebnis als ein demokratisches Erlebnis erfahrbar gemacht werden.
Die Schauspieler sollten auf der Bühne, hinter der Bühne, vor der Bühne, im Zuschauerraum spielen – dort
hin eben, wohin sie sich wenden mögen. Die Worte, Bewegungen, Tode, Freuden, Veränderungen, die
draußen geschehen, sollten den Weg ins Innere des Theaters finden.


Das Kartenverkaufssystem sollte reformiert werden. Ich plädiere dafür, dass jedem Bürger der Zugang zum
Theater ermöglicht wird. Darum muss die Höhe des Preises auf das Einkommen oder das Vermögen jedes
einzelnen Bürgers abgestimmt werden. Das bedeutet: Wer mehr hat, der kann mehr zahlen. Darum sollte für
jeden Bürger ein fester Theaterkarten-Preis ausgerechnet werden, welchen er (immer) bezahlen kann. Feste
Platzkarten wird es in einem demokratischen Theater nicht geben. In der Praxis kann für eine Vorstellung
dann eine Platzreservierung vorgenommen werden, die einen „Platz im Theater“ garantiert. Am Abend der
Vorstellung jedoch wird es, wie in den meisten Kinos, nach der Regel „Wer zuerst kommt, malt zuerst“
zugehen. Alle Plätze sind für alle da!


Das Repertoire sollte sich (weiterhin) an Altem und Neuem, an Dramatischem und Prosaischem, an
Filmischem und Konzeptionellem orientieren. Die Ensembles dürften bunter werden. Die Bühne sollte die
interkulturelle Gesellschaft Deutschlands widerspiegeln und nicht nur (auf ihre Probleme hin) untersuchen.
Das institutionelle Theater muss ein Ort sein, an dem nationale wie auch internationale, regionale und
überregionale Themen beleuchtet werden. Es soll Gastspiele einladen und darüber hinaus den
unkonventionellen Formen und Orten offen gegenüber sein.


Es ist gut, die Produktions- und Wirkungsstätte Theater durchsichtig werden zu lassen! Der Zuschauer muss
ein Ergebnis, eine Erfahrung zurückverfolgen können. Das Theater muss der (Wort-)Macht der Medien, der
(Wort- und Handels-)Macht des finanziellen Systems und der (Wort-)Macht der Politiker ein starkes Gegen-
Wort liefern! Auf dem Theater MÜSSEN aktuelle Themen behandelt, diskutiert, erprobt werden. Der
Aufstand, der Tod, die Revolte, der Frieden, die Vereinigung und der Fortschritt müssen in Utopien, im
Weiterdenken und Zukunftsspinnen ausprobiert werden, um die Vor- und Nachteile bedenken zu können und
Erkenntnisse darüber in der Realität umzusetzen.


Die Wirkung des Menschen auf den Menschen, im Chor als auch als Einzelner, ist die Kraft des Theaters.
Der Körper, die Sprache, das Spiel.


Das Theater als Ort der Zusammenkunft, ein Ort der Geschichten, Träume, Wünsche und Verhandlungen
muss möglich sein und darum über die Real-Möglichkeit hinaus – also bis zur Unmöglichkeit gehen!
P.S. Das Theater der Zukunft ist ein Theater der Zukunft.