Thema des Monats - Oktober 2017

Jedes Mal ein neues Abenteuer

 

Die junge bühne ist mit dieser Ausgabe elf Jahre alt geworden und damit - naturgemäß - auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Wie können wir das verhindern? Kann unsere junge bühne ewig jung bleiben? Wir denken, dass sie das kann: unter anderem, weil immer wieder andere und viele junge Menschen am Gelingen des Heftes beteiligt sind. Wir möchten eine Person vorstellen, die zum ersten Mal bei uns mitgearbeitet hat: Anika Freytag hat in diesem Jahr das Cover kreiert.


Von Anika Freytag und der Redaktion der jungen bühne


Gerade erst ist die neue junge bühne erschienen. Es ist bereits unser elftes Heft, und doch fühlt es sich immer wieder wie ein erstes Mal an: anders als die anderen Male, fast ungewohnt und sehr aufregend - eben neu. Das hängt vor allem damit zusammen, dass wir in jedem Jahr mit vielen und so interessanten wie unterschiedlichen Menschen zusammenarbeiten, weil wir als festes Redaktionsteam nur zu zweit sind (Detlev Baur, Redakteur bei dem Theatermagazin DIE DEUTSCHE BÜHNE, und Elisa Giesecke, PR-Assistentin beim Deutschen Bühnenverein und junge bühne-Mitarbeiterin, mehr über uns hier). Man kann ins Blaue hinein behaupten: So viele Themen eine Ausgabe der jungen bühne behandelt (und es sind immer viele, jedes Jahr), so viele Menschen haben an dem Heft mindestens mitgearbeitet. Vielleicht sind es sogar so viele Menschen wie Seiten. 80 freie Autoren, Fotografen, Graphikdesigner, Redakteure, (ehemalige) Praktikanten, natürlich Jugendliche oder auch die Mitarbeiter des Theaters, mit dem wir kooperiert haben? Ob die Gleichung auch nur ansatzweise aufgeht oder nicht: Zentral, unübersehbar und in unserer neuen Ausgabe ein wahrer Blickfang ist vor allem eines. Es ist das Cover, und es stammt zum ersten Mal von der Kommunikationsdesignerin Anika Freytag.

 

Das Cover der jungen bühne 2017; Foto: Anika Freytag


Als wir Anika - zugegebenermaßen sehr kurzfristig - fragen, ob sie uns für diesen Artikel Rede und Antwort stehen will, sagt sie „liebend gerne", erhält schriftlich unsere Fragen (für ein Treffen hat die Zeit leider nicht mehr gereicht), beantwortet sie in einem Rutsch und schickt uns, „zack!", ihre Antworten. Die Flexibilität und Begeisterung, die sie an den Tag legt und uns auffällt, seien in ihrem Beruf selbstverständlich - genau wie eine ganze Reihe an Fähigkeiten: Kreativität müsse man haben, ein Gespür für Farben, Formen, Typographie und Graphik, und darüber hinaus zeichnen können. Zum Arbeiten benötigt sie nicht viel: Ihr Laptop, Papier, ein Stift und Internet genügen, um ihren Einfallsreichtum anzuzapfen. Kurz nur hat sie in einer Werbeagentur gearbeitet und dann schnell die Entscheidung getroffen, sich selbstständig zu machen, „um freier zu sein und mehr meine künstlerische Design-Affinität ausleben zu können". Seitdem ist sie also freie Kommunikationsdesignerin, und Anika erzählt, was das überhaupt für ein Beruf ist, in dem man - „einfach gesagt" - Werbung macht: von der Konzeption und Design-Beratung bis zur Umsetzung. Das könne graphisch, filmisch oder fotografisch geschehen, ganz so einfach sei die Arbeit dann in Anbetracht der Unmengen an Möglichkeiten und Fachrichtungen natürlich nicht. Prinzipiell gehe es darum, Ideen und Feingefühl für die zu bewerbende Marke zu entwickeln. Der Job und die damit verbundenen Anforderungen seien „bei den meisten Designern einfach auch ein großer Lebensinhalt".


Damit spricht sie auch für sich selbst. Für sie habe nach dem Abitur festgestanden, dass sie einen kreativen Beruf ergreifen müsse, denn, so meint sie augenzwinkernd: „Ich kann nichts außer Bilder machen, alles andere hätte vermutlich katastrophal geendet." Zuerst hat sie sich in Köln und Wuppertal, ihrem Geburtsort, wo sie mittlerweile wieder lebt, zur Mediengestalterin in Bild und Ton ausbilden lassen, dann für eine TV-Produktionsfirma gearbeitet, für die sie viel Kinderfernsehen machte. Da war sie aber nicht besonders glücklich und begann stattdessen, in Dortmund Design zu studieren. Im Studium lernte sie „die Kreativität und Vielfalt des Berufes kennen und lieben", die sie seither so schätzt - zusammen mit der Tatsache, dass sie mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt komme.

 

Ein Coverentwurf für die junge bühne; Foto: Anika Freytag


Da fühlen wir uns angesprochen und wollen doch gerne einmal wissen, wie sie denn ihre erste Zusammenarbeit mit der jungen bühne erlebt hat. Die war für sie „freundlich, offen und kreativ" und vor allem sehr frei, weil ihr von uns keinerlei Vorgaben auferlegt worden seien bis auf die, das Cover solle einen neuen, anderen Stil haben, ins Auge fallen und „frisch und jung" wirken. (Uns würde interessieren: Ist uns das gelungen? Schreibt uns jederzeit gerne an info@die-junge-buehne.de!) Dafür ist Anika Freytag die Richtige, weil sie „sehr bunt unterwegs und verspielt mit Typographie" sei. Als Anhaltspunkt hat sie von uns tatsächlich nur die Themen des Heftes bekommen, und wer sich die Ausgabe durchliest, wird merken, dass die ziemlich bunt gemischt sind, in Anikas Worten: „so vielfältig und völlig fern voneinander, dass es keine übergeordnete inhaltliche Fragestellung gibt". Das hat der Fünfunddreißigjährigen viel Freude, aber auch eine Herausforderung bereitet, weil sie mehrere Themen zusammenführen musste. Und weil, wie sie mit einem Anflug von Koketterie bemerkt, ihre Jugend nun doch schon ein paar Jahre her sei... Ausprobiert habe sie dann Illustration bis zur Fotomontage, vorgeschlagen einen Mix aus beidem: „Ich fand es wichtig, dass es junge Leute anspricht, modern, bunt und leicht frech daherkommt. Dabei ist ‚frech‘ so ein merkwürdiger Begriff... vielleicht sollte ich eher sagen: ‚trendy‘?!"


Aktuell arbeitet Anika an mehreren Projekten für verschiedene Firmen, unter anderem designt sie Plakate für einen Messeauftritt, gestaltet einen Foodkalender für einen Koch, schneidet und animiert Trailer für einen anderen Kunden. Sie stellt fest: „Jeder Auftrag ist ein neues Abenteuer." Das können wir nachempfinden, denn das gilt schließlich auch für jede junge bühne. Mit Theater hat Anika übrigens nicht nur im Rahmen der jungen bühne zu tun, zum Beispiel hat sie für diese und die vergangene Saison das Spielzeitheft des Schlosstheaters Moers designt. Und weil sie ihren Job voller Leidenschaft macht, hofft sie, dass sie noch lange, am besten ihr ganzes Leben, selbstständige Designerin bleiben kann. Alternativ könnte sie sich vorstellen, eine Zeitlang zu reisen beziehungsweise auf Reisen zu arbeiten. Vielleicht würde sie aber auch Politikerin werden, denn: „Das darf ja heutzutage jeder."

 

Das neue Heft kann ab Oktober 2017 kostenlos hier bestellt werden. Zu Anika Freytags Webseite geht es hier: www.anikafreytag.com

 

Anika Freytag; © Sarah Rauch
Anika Freytag; © Sarah Rauch